Berichte & Analysen

Gesamtwirtschaftliches Wachstum schwach,
Bauinvestitionen legen auch 2020 und 2021 zu

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben im September ihre Prognosen für das gesamtwirtschaftliche Wachstum im laufenden Jahr auf nur noch 0,5 % revidiert. Für 2020 und 2021 werden 1,1 bzw. 1,4 % Zunahme erwartet. Der Konjunkturaufschwung am Bau soll dagegen weiter anhalten.
Zwar wurden auch die Erwartung an die Bauinvestitionen für 2019 und 2020 leicht zurückgenommen, der Wachstumstrend bleibt aber ungebrochen. So soll der Bau in diesem Jahr 0,4 Prozentpunkte zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen. Zwar soll sich das Wachstum der realen Bautätigkeit bis 2021 nahe zu halbieren, aber auch dann soll mit 1,9 % noch ein sehr ansehnliches Wachstum verzeichnet werden.

Über die drei Jahre addiert soll der Wohnungsbau (mit einem Anteil an der gesamten Bauinvestition von 61 % die bedeutendste Bausparte) mit 9 % Zunahme Wachstumstreiber sein. Der Wirtschaftsbau soll bis 2021 um rund 7,5 % zulegen, der öffentliche Bau um reichlich 4 %.Für das laufende Jahr wird ein Wachstum der realen Bauinvestitionen von 3,6 % erwartet, für die beiden folge Jahre von 2,5 bzw. 1,9 %.

Baugewerbe: Bauwirtschaft läuft weiter sehr gut!

Umsatzwachstum in 2019 bei 8,7 % erwartet, in 2020 bei 5 %

Die Bauwirtschaft bewertet ihre Lage weiterhin positiv. Daher erwartet die Bauwirtschaft für 2019 ein Umsatzwachstum von 8,7 % auf 137,5 Mrd. €. Das Wachstum betrifft alle drei Bausparten gleichermaßen. Des Weiteren wird  von einem Anstieg der Bau-Beschäftigten auf 855.000 ausgegangen. Das sind immerhin 20 % mehr als es 2009 waren. Damit ist die Bauwirtschaft momentan die Konjunkturlokomotive Nummer eins. Für das kommende Jahr geht der ZDB von einem Umsatzplus von 5 % auf 145 Mrd. €, das entspricht der erwarteten Preisentwicklung. Damit verstetigt sich die Umsatzentwicklung.

Wohnungsbau:

Bis zum Juni 2019 wurden deutschlandweit für ca. 142.400 Wohnungen Neubaugenehmigungen im Wohnungsbau erteilt. Das waren ca. 4.500 Wohnungen weniger als vor Jahresfrist, davon gehen ca. 2.700 Wohneinheiten zulasten des Mehrfamilienhausbaus. Im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser waren es bis Juni nur ca. 550 Wohneinheiten weniger als vor Jahresfrist. Dennoch erwartet der ZDB für den Umsatz im Wohnungsbau ein Plus von 9 % auf 50,9 Mrd. €: „Wir gehen davon aus, dass das Baukindergeld in den folgenden Monaten auch im Neubau Wirkung zeigt. Die KfW berichtet zum 30. Juni 2019 über rund 112.000 gestellte und knapp 56.000 bewilligte Anträge zum Baukindergeld. Bisher wurde es allerdings vorrangig für den Erwerb von Bestandswohnungen genutzt. Fehlendes Bauland und zu lange Planungs- und Genehmigungsprozesse verhindern einen höheren Output im Wohnungsbau. Trotzdem erwarten wir, dass in diesem Jahr 297.000 neue Wohnungen fertig gestellt werden,“ so ZDB-Präsident Quast.

Wirtschaftsbau:

Insgesamt ergibt sich für den Wirtschaftsbau in 2019 ein ambivalentes Bild. Während der Frühindikator „Baugenehmigungen“ bereits auf eine eingebremste Investitionsneigung hindeutet, werden aktuell die Aufträge noch ausgeweitet. Insbesondere der Dienstleistungsbereich floriert und beauftragt einen Großteil der Bauinvestitionen der gewerblichen Wirtschaft.
Vor diesem Hintergrund erwartet das Baugewerbe bis zum dritten Quartal 2019 eine positive Umsatzentwicklung. Im vierten Quartal wird mit einem Tempoverlust gerechnet, einem Umsatzwachstum von 7,5 % auf 48,6 Mrd. € ausgehen.

Öffentlicher Bau:

Die öffentliche Hand investiert wieder. Das merken die Bau-Firmen landauf landab. Daher wird davon ausgegangen, dass der Umsatz im öffentlichen Bau um 10 % auf 38 Mrd. € steigen wird. Getragen wird diese Entwicklung maßgeblich vom Tiefbau, dessen Umsatz bei 30,6 Mrd. € veranschlagt wird. Der Hochbau sollte die 7-Mrd.-Grenze überschreiten.
Insbesondere der Investitionshochlauf des Bundes, wonach die Investitionen in die Infrastruktur auf 17 Mrd. € steigen sollen, trägt zu dieser Entwicklung bei. Weiterhin Sorgen macht das Investitionsverhalten der Kommunen, denn 55 % der öffentlichen Investitionen werden von den Kommunen ausgelöst. Ihnen gelingt es nicht, den Verschleiß ihrer öffentlichen Infrastruktur aufzuhalten und abzubauen.

Kapazitäten und Investitionen:

Die langanhaltende Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand hat zu einem immensen Investitionsstau geführt. Nun erwarten die Bauherren, dass Bauunternehmen ihre Kapazitäten kurzfristig aufstocken, was sie zwar schon getan haben und in Zukunft auch weiter tun werden, wenn die Investitionen verstetigt werden. Das gilt für die Investitionen in den Wohnungsbau wie auch in die öffentliche Infrastruktur gleichermaßen.
Die Bauwirtschaft fordert daher, dass die AfA spätestens nach Ablauf der Sonder-AfA von zwei auf drei Prozent erhöht wird, was dem Wertverzehr einer Immobilie auch gerecht würde. Auch in den sozialen Wohnungsbau muss mehr und dauerhaft investiert werden.
Positiv bewertet wird die Festlegung langfristiger Investitionen im Bereich der Schiene. Hier werden bis 2029 insgesamt 51,4 Mrd. € bereitgestellt. Das ist ein richtiges Signal. Das benötigen wir für die Investitionen in die Bundesfern- und Wasserstraßen ebenfalls.“ Im Hinblick auf die kommunalen Investitionen begrüßt die Bauwirtschaft den Vorschlag des IW Köln, einen investiven „Deutschlandfonds“ mit 450 Mrd. € für die nächsten zehn Jahre aufzulegen, um den kommunalen Investitionsstau abzubauen. Das wäre eine klage  Perspektive für einen weiteren Ausbau der Bau-Kapazitäten.

Saarländisches Baugewerbe mit Umsatzplus im 1. Halbjahr 2019  

Das saarländische Baugewerbe schloss das erste Halbjahr 2019 mit einem Umsatzplus von 9,5 Prozent auf 648 Mio. Euro ab. Dabei liefen die Entwicklungen im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe unterschiedlich. Während das Ausbaugewerbe ein deutliches Plus von 34 Prozent auswies, blieben die Ergebnisse im Bauhauptgewerbe auf Vorjahresniveau.
Das Bauhauptgewerbe erzielte in der ersten Jahreshälfte einen baugewerblichen Umsatz in Höhe von 423 Mio. Euro. Dabei konnte der Hochbau mit einer Steigerung um 2,2 Prozent auf 223 Mio. Euro die um 2,5 Prozent rückläufige Entwicklung im Tiefbau ausgleichen. 
Im „gewerblichen Bau“ wurden 152 Mio. Euro abgerechnet, was einem Minus von 8,9 Prozent entspricht. Hier blieben der gewerbliche Hochbau sowie der Tiefbau um 6,1 Prozent bzw. 14,7 Prozent unter den Vorjahreswerten. Dagegen konnten die Erlöse im „Wohnungsbau“ um 21,2 Prozent auf 85 Mio. Euro erhöht werden.

Der „öffentliche und Straßenbau“ setzte 185 Mio. Euro um und hielt das Ergebnis aus dem Vorjahreszeitraum. Im Straßenbau wurden 71 Mio. Euro abgerechnet, was einem Minus von 5,2 Prozent entspricht. Mit öffentlichen Auftraggebern wurden 32 Mio. Euro abgerechnet und damit 9,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit 82 Mio. Euro liefen die Geschäfte im „sonstigen Tiefbau“ um 9,3 Prozent besser.
Wie das Statistische Amt weiter mitteilt, liefen die Geschäfte im Ausbaugewerbe deutlich besser. Die Umsätze stiegen in der ersten Jahreshälfte um 34,1 Prozent auf 218 Mio. Euro, nachdem sie im Vorjahr durch Sondereinflüsse stark zurückgegangen waren.

 

 

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